Leibarbeit   1|2

Der Behandler beginnt nach einer Weile des sich Einstimmens mit intuitiven Berührungen und manchmal benutzt er auch seine Stimme, um auf den Leibesruf zu antworten. All dies geschieht in einem geschützten therapeutischen Raum, in dem intime Grenzen gewahrt bleiben. Leibarbeit ist eine anarchistische Therapieform, da es keine feststehenden Regeln für die Art und Abfolge der Berührungen und den inhaltlichen Ablauf gibt. Manchmal werden auch im Raum vorhandene Requisiten mit einbezogen, wobei alles zusammen einen tieferen Sinn ergibt, der nicht immer mit dem Verstand zu fassen ist, dafür umso mehr auf der Erfahrungsebene spürbar wird. So besteht am Ende einer Leibarbeit der Austausch zwischen Klient und Behandler v.a. darin, sein subjektives Erleben mitzuteilen und auch die Schilderung des Gegenübers als Wahrnehmung auf sich wirken zu lassen. Es entsteht eine Atmosphäre des Angenommen- und Geborgenseins, in der alle Gefühle, Gedanken und Körperempfindungen ihren Platz bekommen. Jede Leibarbeitssitzung ist in sich geschlossen. Gleichzeitig kommt ein innerer Prozess in Gang, der auf Vertrauen basiert und es, über eine längere Zeit begleitet, ermöglicht, eine tiefergehende seelische Wandlung zu vollführen. Die Arbeit mit dem Leib schafft mehr Selbstbewusstsein, mehr Vertrauen zu sich und seinem Körper, klarere Ziele und erfüllendere Beziehungen.